Kürzlich erschien das neue Buch des bekannten Wissenschaftlers, Forschers, Schriftstellers und Gemeindeaktivisten Josef Murdachajew mit dem Titel „Durch Dornen zur Wissenschaft“. Schon der Titel selbst spiegelt den Lebensweg des Autors wider — eines Mannes, der zahlreiche Prüfungen zu bestehen hatte, bevor er wissenschaftliche Anerkennung erlangte und einen bedeutenden Platz in der Geschichte der bucharisch-jüdischen Gemeinde einnahm.
Das Schicksal Josef Murdachajews ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Er wurde am 17. März 1935 nicht in Samarkand, Buchara oder Taschkent geboren, wie die meisten Angehörigen unserer Gemeinde, sondern in Baku, wo über viele Jahrzehnte hinweg eine kleine, aber lebendige Gemeinde bucharischer Juden bestand. Später zog die Familie nach Namangan, doch auch dort hielt es den jungen Josef nicht lange. Von Jugend an strebte er nach Selbstständigkeit, ging stets seinen eigenen Weg und mochte es nicht, unter jemandes Fittichen zu stehen.
Die Kindheit des künftigen Wissenschaftlers kann man nicht als leicht bezeichnen. Der Allmächtige schickte ihm eine schwere Prüfung — eine Krankheit, die dem Schlafwandeln ähnelte. In bestimmten Phasen konnte er seine Handlungen kaum kontrollieren. Doch selbst das brach seinen Charakter nicht.
Ein schwerer Schlag für die Familie war der Krieg. 1942 wurde Josefs Vater an die Front einberufen. Vor seinem Abmarsch absolvierte er eine Ausbildung an der Taschkenter Maschinengewehrschule und diente bis zum Sieg in der aktiven Armee. Der Krieg lastete schwer auf Mutter und Großmutter des künftigen Wissenschaftlers, denen die gesamte Sorge um die Familie zufiel.
Das Interesse für Natur und Pflanzen entstand bei Josef bereits in der Kindheit. Im Hof des Hauses, in dem die Familie lebte, arbeitete ein erfahrener Dehkan, der eine Vielzahl verschiedener Pflanzen angepflanzt hatte. Gerade sie wurden zu den ersten Objekten der Beobachtungen und Untersuchungen des wissbegierigen Jungen. Mit der Zeit wurde aus dieser kindlichen Leidenschaft die Aufgabe seines Lebens. Nach dem Studium der Biologie widmete sich Josef Murdachajew wissenschaftlichen Forschungen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er Heilpflanzen und ihren heilenden Eigenschaften.
1993 verteidigte er am Botanischen Institut in Taschkent erfolgreich seine Doktorarbeit. Grundlage dieser Arbeit waren Untersuchungen von mehr als fünfhundert Arten von Heilpflanzen. Diese langjährige wissenschaftliche Arbeit eröffnete neue Möglichkeiten für die Nutzung natürlicher Ressourcen in Medizin und Landwirtschaft.
Die wissenschaftlichen Leistungen Josef Murdachajews fanden Niederschlag in zahlreichen Veröffentlichungen. Einen besonderen Platz unter ihnen nimmt das grundlegende Werk „Der Anbau von Heilpflanzen in Usbekistan“ ein. Später folgten weitere Bücher, darunter „Der orientalische Basar: Arzneien und Gewürze“ (2001), „Beinamen der Juden“ (2002), „Der Stammbaum von Mosche Maskowi“ und viele andere Studien.
1997 wanderte Josef Murdachajew nach New York aus. Damals lernte ich ihn persönlich kennen.
Einen besonderen Platz im Schaffen des Autors nimmt die Geschichte der bucharischen Juden ein. Über viele Jahre hinweg sammelte er Materialien, studierte Familienarchive und zeichnete die Erinnerungen der älteren Generation auf. In seinen Büchern hob er wiederholt hervor, dass die bucharischen Juden erst in der Emigration die Möglichkeit erhielten, ihre eigene Geschichte frei zu schreiben und ihre Religion, Kultur und Traditionen zu bewahren.
Mit Dankbarkeit erinnert sich Josef Murdachajew an Dr. Robert Pinchasow, der bereits 1992 die gesellschaftlich-wissenschaftliche Vereinigung „Roschnoi“ gründete, die eine wichtige Rolle in der Entwicklung des geistigen Lebens der bucharisch-jüdischen Gemeinde spielte. In einem der Kapitel des neuen Buches schreibt der Autor über seine Eltern, die fünf Söhne großgezogen haben. Sie lehrten ihre Kinder stets, alles durch eigene Arbeit zu erreichen, erlebten jedoch leider nicht mehr die Zeit, in der sie die Früchte ihrer Erfolge hätten sehen können.
Besonders anrührend klingen die Dankesworte an seine Ehefrau Margarita: „Diese meine Arbeit, die vielleicht meine letzte sein wird, ist ein Zeichen des Dankes an meine geliebte Ehefrau Margarita. Sie war es, die mir auf dem beschwerlichen Weg in die Wissenschaft zur Seite stand.“
Das neue Buch beeindruckt schon durch seinen Umfang — rund vierhundert Seiten. Es erscheint gleich in zwei Sprachen — auf Russisch und Englisch. Der Autor ist sich sehr bewusst, dass die junge Generation allmählich die russische Sprache verliert, und ist deshalb bestrebt, seine Werke einem möglichst breiten Leserkreis zugänglich zu machen.
Auf den Seiten des Buches werden alle Etappen seines Lebens ausführlich beschrieben — von der Kindheit und den Schicksalen seiner Brüder bis hin zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, der Emigration und der gesellschaftlichen Arbeit. Hier sind Erinnerungen, Artikel, Notizen, Reden, Dokumente und Materialien zusammengetragen, die nicht nur für die Familie des Autors, sondern für die ganze Gemeinde von Wert sind.
Seit 2020 ist Josef Murdachajew wissenschaftlicher Berater der Zeitschrift „Gesunde Lebensweise“, in der regelmäßig seine Artikel über Heilpflanzen erscheinen. 2021 wurde er zum Volksakademiker der Akademie der Wissenschaften Usbekistans „Turon“ gewählt. Als Wissenschaftler und Forscher trat er mehrfach auf internationalen Konferenzen auf, unter anderem auf Foren bucharisch-jüdischer Gelehrter in Wien und anderen Städten der Welt.
Kürzlich fand im Zentralen Zentrum der Bucharischen Juden in New York ein feierlicher Abend statt, der dem 90. Geburtstag Josef Murdachajews gewidmet war. Auf den Tischen lagen die von ihm verfassten Bücher aus, an den Wänden hingen Gemälde von seiner Hand. Für viele Gäste war es eine Entdeckung, dass der bekannte Wissenschaftler zugleich ein begabter Maler ist.
Doch der unerwartetste Augenblick des Abends war sein Auftritt mit der Violine. Als Josef eines der schwierigsten Musikinstrumente in die Hand nahm und mehrere Stücke spielte, hielt der Saal buchstäblich den Atem an.
Wenn man diesen Mann betrachtet, versteht man unwillkürlich, wie großzügig der Allmächtige ihn mit Talenten bedacht hat. Wissenschaftler, Forscher, Schriftsteller, Maler, Musiker — all diese Eigenschaften haben sich auf erstaunliche Weise in einem einzigen Menschen vereint.
Das Buch „Durch Dornen zur Wissenschaft“ ist nicht nur die Autobiografie eines herausragenden Wissenschaftlers. Es ist die Chronik einer ganzen Epoche, die Geschichte einer Familie, einer Gemeinde und eines Volkes, das seine Traditionen und seine Kultur in den unterschiedlichsten Winkeln der Welt zu bewahren wusste.


